Im Frühjahr 2004 überlebten 2 Drittel aller meiner Bienenvölker mit Primorski-Abstammung, in der Regel freibegattete Jungvölker und einige Altvölker.
Die Frühjahrsentwicklung war teilweise sehr gut, teilweise aber auch sehr zögerlich, je nach Varroa-Befallsgrad.
Die gut entwickelten Völker hatten auch einen recht guten Honigertrag. Der Schwarmtrieb in den meisten gut entwickelten Völkern war gering; es wurden keine Absperrgitter eingelegt und es wurde immer rechtzeitig aufgesetzt..
Der natürliche Varroafall war bis Juni -Juli noch recht gering, es traten noch keine verkrüppelten Bienen oder solche mit deformierten Flügeln auf.
Alle Völker erhielten Wabenrähmchen mit Anfangsstreifen. Diese haben sie größtenteils als Drohnenwaben ausgebaut. In der Folge hatten sie eine außergewöhnliche Drohnenproduktion. Im Juli waren dann bereits kleine stinkende Häufchen von verendeten, teilweise verkrüppelten Drohnen am Boden vor den Fluglöchern zu finden.
Im August brachen die ersten starken Völker zusammen, sie wurden langsam immer schwächer. Durch starke Massierung von Bienenvölkern - Jung- und Altvölker gemischt - war ein permanenter Reinfektionsdruck vorhanden.
Kalkbrut trat nur noch vereinzelt stärker auf.
Alle Völker wurden mit Zuckerwasser 1:1 aufgefüttert. Nach der Auffütterung tauchten vereinzelt in den Völkern flügelverstümmelte (deformed wing syndrom) Bienen auf. Alle Völker in denen diese auftauchten wurden ganz langsam schwächer, obwohl nicht erkennbar viele Varroen fielen. Es ist zu vermuten, daß verschiedene Viren im Gefolge der Varroa eine wesentliche Rolle spielen.
Am 01.04.2005 lebten nur noch 30 % aller Völker, am 01.06.2005 lebten nur noch 20 % der Völker und 10 % entwickelten sich ohne jede Beeinträchtigung zu starken, ertragsfähigen Völkern.
Geht man davon aus, daß durch fortgesetzte Freibegattung die Gene neu kombiniert, gemischt und wieder rückgekreuzt wurden, dann dürfte eine Mendel`sche Aufspaltung der Erbfaktoren erfolgt sein: bei einer groben Aufspaltung von 1 :2 :1 bei mehreren Erbfaktoren bedeutet dies: 25 % haben eine Überlebenschance und hiervon haben wiederum 25 % die Chance zu einer gesunden Volksentwicklung mit Honigertrag, das wären dann absolut 5 %, aber die Vererbung ist sicher vielfach komplexer.
Jetzt in 2005 habe ich die Möglichkeit zu beobachten, ob sich der gleiche Auflösungs-Prozeß der Völker abzeichnet wie in 2004. Geschieht dies wieder in der gleichen Art und Weise bei den überlebenden starken Völkern, dann bedeutet es: Es haben jene Wissenschaftler recht, die behaupten, man komme mit dem Züchten der Varroa nicht schnell genug hinterher, denn die Varroamilben passen sich in 7 Generationen pro Jahr immer wieder an die jungen Königinnen an. Im 1. Lebensjahr der Jungkönigin sind die Jungvölker noch recht varroafest, im 2. Lebensjahr überleben sie dann noch je nach Volksstärke, Honigertrag und Drohnenproduktion mit knapper Not und verenden dann irgendwann im 3. Lebensjahr.
Die logische Schlußfolgerung wäre dann jedes Jahr wieder alle Völker mit Jungköniginnen zu beweiseln, was in der Realität manche Berufsimker heute bereits mit Buckfast-Königinnen tun, wobei die Einweiselung erst im Frühjahr vorgenommen wird.
Die andere Alternative ist die reine Schwarmbienenzucht kombiniert mit einer jährlichen natürlichen Umweiselung im August, wie es die Original-Primorski-Völker vollziehen, was sie im Gefolge mit einem zu dieser Zeit unüblichen Schwarmabgang unberechenbar macht.

ROMUALD HOFMANN
c)Hofmann Stand 01.06.2005