In den vergangenen vier Jahren habe ich in bis zu 5 aufeinanderfolgenden Generationen eine große Anzahl von Königinnen “verarbeitet”. Es sind nur wenige Königinnen bei mir übriggeblieben. Bei Nachbarimkern finde ich dagegen immer mehr Nachkommen meiner Königinnen.
In einer solchen Situation möchte ich gerne aufgeben. Die Chancen ohne jegliche Einschränkungen varroaresistente Bienen auf Dauer erzüchten zu können sind rein theoretisch schon sehr gering. In der praktischen Umsetzung sind in der hiesigen Klimazone permanente Darwin`sche Verluste die Regel.
Und ich kann bei der ganzen Angelegenheit nur draufzahlen: Mein Honig ist nicht mehr wert als der aus Rumänien bei 10% der Lohnkosten und 100% Mehrertrag. Der Zucker kostet hier doppelt soviel und meine Königinnen wollen nur jene Spezialimker, die keine Angst vor Stichen haben und die nicht nach dem Verbands-Siegel und Zuchtbuch-Eintragungen fragen.
Aber ich glaube, daß ich die Primorski-Zucht und damit die Varroa- Toleranzzucht mit am weitesten in Deutschland und evtl. darüber hinaus getrieben habe bis an den Rand des Möglichen. Es wäre einfach schade die vorhandenen Zuchterfolge und -erkenntnisse vorzeitig wegzuschmeißen. Schon Bruder Adam hat 7 Jahre für die erbfeste Einkreuzung einer bestimmten Eigenschaft angesetzt.
In Anbetracht, daß der Kleine Bienenbeutenkäfer (aethina tumida)“ante portas “ steht benötigt die Imkerschaft eine Biene mit dem Potential einer Afrikanischen Biene, um den Käfer erfolgreich in Schach zu halten. Und dann können die staatlich gelenkten und gestützten deutschen Sanftmutszüchter mit ihrer erfolglosen Varroatoleranz-Zuchtauslese wieder von vorne beginnen (Neues Förderprogramm - Neues Glück!!!).
Aber ernsthaft: Manche Berufsimker lassen verlauten der Kleine Bienenbeutenkäfer sei schon in Österreich unterwegs, andere setzen in einem bestimmten Bundesland Deutschlands angeblich schon Coumaphos in Reinform ein, als ob der berüchtigte Käfer schon aus Neuseeland angekommen wäre.
Derzeit habe ich acht Experimentier-Drehbeuten in Magazinform im Einsatz. Diese sind im Mai 2005 derzeit mit echten Schwärmen aus der umgebenden Landpopulation belegt, die Arbeit mit eigenen Kunstschwärmen konnte ich mir so sparen, außerdem kann ich so besser die Wirksamkeit der Dreherei überprüfen.
Zwei Prototypen der Jumbo-Drehbeute mit 48 Zanderwaben Kapazität habe ich Anfang und Mitte Mai mit ausgewählten überlebenden Primorskivölkern belegt. Beim Umsetzen mußte ich lediglich die Langen Zanderohren einkürzen.
Ich gehe davon aus, daß die Primorskivölker in diesen Völkern nicht mehr varroabedingt umweiseln, bzw schwärmen oder die Volksstärke drosseln, sodaß sie dann mehrere Jahre für die Zucht zur Verfügung stehen, ohne daß eine Varroabehandlung durchgeführt werden muß. Auch wird in Zukunft bereits im Frühjahr eine große Volksstärke durch Erhalt der Altvölker bzw. die Vereinigung mit Jungvölkern möglich sein.
Mit der neuen Jumbo-Drehbeute ist daher eine wirtschaftliche Varroatoleranz-Zucht und imkerliche Betriebsweise möglich. Denn gerade die kritische Zeit der Drohnenproduktion dürfte so problemlos überwunden werden. Und in der Zeit nach dem Drohnenabtrieb werden gering belastete Promorski-Völker in der Regel mit den Varroen alleine fertig.

ROMUALD HOFMANN
c)Hofmann Stand 01.06.2005