Eigener Erfahrungsbericht 2003 -  3. Jahr

Im Frühjahr 2003 überlebten auf meinen Ständen zwei Drittel aller Primorski-Völker und fast alle Primorski-Hybrid-Völker die Durchlenzung nicht, trotz relativ geringem Varroabefall. Die Ursache war nur in Ausnahmefällen erkennbar erhöhter Varroabefall. Es traten andere Probleme in Erscheinung:

Inzucht: Die Rückkreuzungen von F1-Töchtern der belegstellenbegatteten Purpur 99-Königin mit ihren eigenen Drohnen zeigten starke Inzuchterscheinungen. Dies ist ein Hinweis auf reine Abstammung, aber auch auf bereits wiederholt erfolgte Inzuchtmaßnahmen. Die so gebildeten 12 Jungvölker zeigten stark lückenhafte Brut und entwickelten sich im Lauf des Frühjahrs sehr zögerlich bzw. lösten sich ganz auf.

Späte Einfütterung mit Maisstärkesirup und kalter Standort: Ein Fehler war jedenfalls für dieses spezielle Frühjahr die recht späte Auffütterung von im Juli/August gebildeten Ablegern. An dem betreffenden kalten Standort herrschten im Frühjahr lange Zeit kalte und feuchte Bedingungen (Reinigungsflug im Schnee), die Futterwaben waren vor Feuchtigkeit aufgequollen und ein Großteil der Jungvölker zeigte dort Nosema- Erscheinungen und löste sich langsam auf.

Bei Jung- und Altvölkern, die an einem sonnigen Standort aufgestellt waren, mit unterschiedlichen Ab- stammungskombinationen aus den Jahren 01 und 02, traten wenige Ausfälle auf, wohl aber bei dorthin verbrachten Jungvölkern.

Erfolgreich war die künstliche Besamung von Purpur 99-Töchtern mit Blau 00-Drohnen, sowie die  weitere Rückkreuzung deren Töchter wieder mit Blau 00-Drohnen; ein überlebendes Jungvolk hiervon war auffallend sanft, weiselte aber leider zu früh um. Auch einige standbegattete Töchter der Purpur 99 - Blau 00 - Kombination überlebten.

Die überlebenden Völker entwickelten sich größtenteils recht gut und zeigten auch normale Honig- erträge. Schwarmzellen traten  während der Frühjahrsentwicklung und der Trachtperiode bis Ende Juli nicht auf. Wenn dann waren nur sehr wenige Weiselzellen zu finden und konnten auch als Umweise- lungsaktionen interpretiert werden.

Meine Ergebnisse stehen in Übereinstimmung mit neuesten Berichten aus den USA und Kanada, wonach an feuchten Standorten starke Völkerverluste auftraten, an warmen Standorten jedoch weniger Probleme und eine geringere Varroaanfälligkeit gegeben waren.

Bekanntlich wirken Ameisensäurebehandlungen auch gegen Kalkbrut und Tracheenmilben. Die Er- scheinungen, die ich sah, zeigten starke Ähnlichkeit mit Schilderungen aus den 70-er Jahren bei Tracheenmilbenerkrankungen. Auch damals kam es in manchen Jahren zu außergewöhnlichen Völ- kerverlusten. Es ist nicht auszuschließen, daß bei kompletter Nichtbehandlung wieder andere Krank- heiten erneut auftreten und eine Mehrfachselektion mit entsprechenden Völkerverlusten einhergeht. Hieraus läßt sich vermutlich erklären, warum angeblich varroaresistente bzw . -tolerante Bienen nach Verbringung an einen anderen Standort versagen.

 

Thema 1: Überleben

Thema 2: Jungvölkerbildung in 2003

Die Larven für die Königinnenzucht wurden gut entwickelten überlebenden P-Reinzuchtvölkern entnommen und, was sehr wichtig ist, in reinen P-Völkern aufgezogen. Es zeigte sich, daß die P-Ammenbienen immer nur ca. 60 % der Larven im Zuchtrahmen dauerhaft annahmen, unabhängig von der Anzahl zugesetzter Larven. Dies mag ein Hinweis sei, daß P-Bienen ihre Jungköniginnen bereits bei der Aufzucht selektieren. Besonders interessant ist, daß entweiselte Altvölker bzw. Ableger relativ lange warten bis sie mit dem Weiselzellenbau beginnen und dann nur Weiselzellen mit Eiern oder jüngsten Larven herstellen.
Die Jungköniginnen wurden im Laufe des Juni herangezogen und überwiegend in 3-Waben-Brutablegern standbegattet. Die fast schlupfreifen Weiselzellen wurden dabei 1 Tag nach Bildung der Ableger bei offener Brut mit Tesaband geschützt zugegeben. Negativ machte sich im Sommer 03 der Wassermangel bemerkbar. Die Jungvölker entwickelten sich im allgemeinen gut; ein Teil davon erreichte im Oktober bereits die Stärke von Altvölkern.

Bei einer Kontrolle am 14.02.04 waren fast alle Jungvölker mit wenigen Ausnahmen, die bereits im Spätherbst erkennbar waren, am Leben und die meisten in einem passablen Zustand. Einige Jungvölker trugen bereits am 04.02.04. eifrig Pollen ein. Sie hatten eine für P-Original-Bienen ungewohnt frühe Flugaktivität kombiniert mit guter Volksstärke.

Thema 3: Die Purpur 99-Königin

Das Volk mit der Original-Königin der Abstammung Purpur 99 aus dem Jahr 2001 hat bis heute überlebt: Volksentwicklung und Honigertrag waren nie besonders gut. Auch die Varroaanfälligkeit ist höher als bei der Nachzucht der überlebenden F1-Töchter. Zu bestimmten Zeiten trat sogar Sackbrut in geringem Umfang auf. Dafür zeigte es eine stärkere Putzfreudigkeit und Aktivität beim Ausräumen von Zellen.
Ende Juli wurde das alleine stehende Volk auf 3 Magazine aufgeteilt. Das linke Magazin enthielt zwei Schwarmzellen, das rechte Magazin  bekam eine Weiselzelle der neueren Kombination. Das Ergebnis war verblüffend: Das linke Jungvolk zeigte exakt das gleiche “schlechte“ Varroabild wie das Muttervolk, war aber deutlich unruhiger als das Muttervolk. Es glich eindeutig den künstlich besamten Völkern der gleichen Abstammung mit den eigenen Mutterdrohnen bzw. F1-Schwesterdrohnen, die im Frühjahr 2003 starben bzw. aufgelöst werden mußten. Dahingegen entwickelte sich das rechte Jungvolk recht ordentlich. Auch hier ist ein deutlicher Hinweis zu sehen, daß bei genügend Drohnen im Ablegervolk in großem Maß Reinzucht stattfindet.
Bei der Nachschau am 04.02.04 waren nur  die linke Jungkönigin und eine bereits im Frühjahr 03 schwächelnde, künstlich besamte Königin nicht mehr am Leben. Die Purpur 99-Königin in der Mitte hat jetzt nur noch eine Handvoll Bienen.

Die Erklärung: wie bei P-Völkern mit Problemen üblich haben die Bienen der alten Königin das danebenstehende rechte Jungvolk mit der attraktiveren Königin  verstärkt. Eine Aufstellung von P-Völkern sollte daher immer mit einem gewissen Abstand erfolgen  und es sollte keine gemeinsame Laufver- bindung zwischen den Magazinen, wie z.B. ein durchgehendes Flugbrett geben. Auch sollten nur Völker mit einheitlicher Abstammung nebeneinander aufgestellt werden. In den USA und auch von Buckfast-Imkern wird die Aufstellung in die vier Himmelsrichtungen bevorzugt.

Thema 4: Die Blau 00-Königin

Die Königin der Linie Blau 2000 war auf meinem Stand standbegattet und bildete im Jahr 2002 ein recht starkes Volk. Nach Drohnenentnahme für die künstliche Besamung und Trachtende schwärmte das Volk unerwartet noch im August. Die wiederum standbegattete Hybridweisel  hatte keine Chance und das Volk starb noch vor dem Winter 2002/03.

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Bericht 2003

   ROMUALD HOFMANN

c)Hofmann    Stand 01.06.2005