In einem Institutsbericht steht über Primorski-Bienen: “ihr Verhalten ist indiskutabel”. Diese Aussage erinnert mich an mein Schulzeugnis in der Grundschule 1. Klasse. Auch heute noch werden lebhafte Kinder diskriminiert und Hockenbleiber gefördert.
Unvoreingenommene Imker, die meine Bienen besichtigen, können meist weder vom
Verhalten noch von der Optik her Unterschiede zu ihren eigenen Bienen feststellen.
Tatsächlich gibt es aber feine Unterschiede:
Für einen guten Imker sind die vorstehenden Punkte aber kein Problem, wenn er nur noch genetisch ein- heitliche P-Völker am Stand hat und jeweils von den besten und angenehmsten Völker nachzieht.
Morphologische Erscheinung der P-Bienen
Nach Berichten aus den USA ist die P-Biene eine eher dunkle Biene mit Carnica-Abstammung. Auch Dr. Büchler hat für die Linie Blau 00 bei der Körung überwiegend Carnica-Merkmale festgestellt.
Nach meiner eigenen Erfahrung sind teilweise vorkommende rötliche Ecken und Binden tatsächlich na- türliche Eigenschaften der Carnica-Biene in ihren Ursprungsgebieten: auf der Reise zur Apimondia 2003 habe ich Landbienen sowohl in Kärnten als auch in der Umgebung von Ljubliana gesehen, die ein täuschend ähnliches Aussehen wie die P-Biene haben.
In meiner hiesigen Überlebenszucht setzen sich die eher dunklen
P-Bienen durch. Die meisten meiner Völker sind inzwischen einheitlich grau.
Zwar bin ich nach wie vor der Meinung, daß eher die bunten und helleren P-Typen die ursprünglichen varroafesten Bienen sind, das wäre mehr die Linie Purpur 99, aber in der hiesigen Natur ist offensichtlich der dunklere Typus der Linie Blau 00 im Vorteil, auch wenn es hier versteckte Varroafestigkeits-Mängel gibt.
Versuchs-Berichte aus Kanada zeigen auf, daß in fremde Herkünfte eingeweiselte P-Jungköniginnen oft wieder umgeweiselt werden. Ähnliches war auch vom Prüfhof Schwarzenau zu hören, wonach im Frühjahr 2003 ganze Gruppen umweiselten. Es wurde auf eine schlechte Standbegattung im Jahr zuvor zurückgeführt.
Nach meiner Erfahrung treten Umweiselungsaktionen in folgenden Fällen auf:
Verhalten der P-Bienen
Selektionsmechanismen bei den P-Bienen
Betrachten wir vergleichsweise den Siegeszug der afrikanisierten Biene in den Neotropen
Amerikas, so fällt auf, daß nach neuen Forschungsergebnissen das Erbgut dieser Bienen sehr homogen und rein an die nächsten Generationen weitergereicht wurde, trotz anfänglich stark fremdrassiger Einflüsse.
Für solch eine Aufrechterhaltung des Genguts durch eigene Aktivitäten - Eigenselektion - gibt es bei der Primorski-Biene ebenfalls Anzeichen und zwar an 3 Schnittstellen:
1) Auswahl von Königinnenlarven
In den Jahren 2001 und 2002 habe ich noch mit Pflegebienen ohne P-Abstammung Zuchtserien erstellt. Die Annahme der Larven und die Aufzucht war im allgemeinen recht gut. In 2003 habe ich nur noch mit reinen P-Pflegebienen Zuchtserien
erstellt: die Annahme war um ca 20 -30 % schlechter, von den restlichen Larven wurden in den Tagen darauf noch ein paar ausgeräumt und zum Schluß waren nur noch ca. 60 % verdeckelte Weiselzellen übrig.
Besonders interessant war ein Nachzuchtversuch von einer Caucasica-Landvolk-Kreuzung, die vergleichsweise günstige Varroa-Eigenschaften hatte. Da sind nur noch 30 % verdeckelte Weiselzellen übrig geblieben.
Im
Gegensatz zu den in 2002 herangezogenen Weiseln waren die in 2003 von P-Pflegebienen erbrüteten Weiseln durchweg positiv und homogen in den Varroa-Eigenschaften trotz oder wegen Standbegattung, soweit sich dieses zum gegenwärtigen Zeitpunkt beurteilen läßt.
Selbstverständlich sind die vorgemachten Angaben eher subjektiver Natur, da
sie einer wissenschaftlichen Unterlegung bedürfen. Sollte jedoch die Larvenselektion für eine kontinuierliche generationenübergreifende Aufrechterhaltung der Varroa-Eigenschaften notwendig sein, so kommen für eine wirtschaftliche Auswahl und Vermehrung varroafester Bienen nur ebensolche Pflegebienen in Frage.
Auch für die Auslese von nachzuchtwürdigen Hybriden mit Carnica- oder Buckfast-Herkunft wären dann
echte P-Pflegebienen von Vorteil. So könnten evtl. hohe Versuchskosten und Völkerverluste bei Über- lebenstests drastisch reduziert werden; das bedeutet aber auch höhere Kosten für Jungköniginnen.
2) Begattung
Bereits Imkermeister Wallner hat festgestellt, daß die künstliche Besamung keine besseren Ergebnisse bei der Varroamerkmal-Selektion erbracht hat als die freie Begattung.
Bei der freien Begattung könnten bei der Selektion folgende Faktoren eine Rolle spielen:
Es können Vermutungen angestellt werden, inwieweit die einzelnen Faktoren sich gegenseitig beeinflußen. In der Realität ziehen begattungswillige Königinnen mit einem Begattungsschwarm aus, der Drohnen und Flugbienen enthält. Ich selbst habe beobachtet, daß eine P-Königin vom Begattungsflug mit einem kleinen Begattungsschwarm, und das ist erstaunlich, erst um ca. 18.00 Uhr zurückgekehrt ist. Das würde bedeuten, daß P-Königinnen vorwiegend von den eigenen Drohnen begattet werden mit der Folge einer fortgesetzten Inzucht. Allerdings verfliegen sich Drohnen auch sehr stark, was wiederum der engen Inzucht entgegenwirkt. Ab ca. Juli tritt auch bei Drohnen eine stärkere Selektion ein, weil nur die nichtparasitierten und lebenskräftigeren männlichen Tiere zum Zuge kommen. Spätere jahreszeitliche Begattungen scheinen tatsächlich von Vorteil für die Selektion zu sein. Hieraus erklärt sich vielleicht auch, warum P-Bienen erst Juli bis August einige wenige Schwarmzellen ansetzen und schwärmen bzw umweiseln.
3) Verflug
P-Bienen, die sich in andere Völker verfliegen, üben natürlich auch dort ihre ausgeprägte Putzfähigkeit aus und reduzieren die Milbenzahl. Bei einer Caucasica-Landbienen-Mischung mit Königin aus 2000, die ich 2001 bekam und die ich zwischen P-Völkern aufstellte und nicht behandelte, stellte ich im Juli 2003 einen ganzen Haufen stinkender Drohnen am Boden vor dem Flugloch fest. Ich gehe davon aus, daß P-Bienen, die in andere Völker geraten dort ebenfalls Selektion der verschiedenen Arten betreiben. So würde es z.B. genügen, wenn einem einzigen P-Drohn die Begattung gelingt , um in dem betreffenden Volk eine Larvenselektion nach 1) auszulösen. Auch Königinnenverflug in weisellose Völker ist so denkbar.
Honigertrag
Während des Selektionsprozeßes sind die einzelnen Volksstärken naturgemäß sehr unterschiedlich. Es wäre grundverkehrt hier statistische Durchschnittswerte für den Honigertrag anzusetzen. Werden nur die ohne Probleme überlebenden P-Völker mit guter Volksstärke berücksichtigt so liegen die Honigerträge in einem ganz normalen Rahmen. Das tatsächliche genetische Potential ist aber meiner Meinung nach noch nicht ausgereizt und bietet noch Zukunftschancen.
Winterfestigkeit
Die Überwinterungsfähigkeit der Primorski-Völker ist ausgezeichnet. Sie sitzen in einer engen Traube und verbrauchen außergewöhnlich wenig Winterfutter. Trotzdem können sie leicht verhungern, wenn die Traube zu klein ist z.B. bei Ablegern und sie wegen Nichtauflösung der Traube in wärmeren Wintertagen dem Futter nicht mehr nachrücken. Hier hilft nur rechtzeitiges Einengen mit einer Futterwabe.
Schwieriger ist schon die Durchlenzung im
Frühjahr. An kälteren Tagen fliegen sie oft gar nicht oder später aus. Inzwischen habe ich aber bereits Jungvölker, die dieses Manko nicht mehr aufweisen.
“Schwarm”- Eigenschaften der P-Bienen
Gegenmaßnahmen

ROMUALD HOFMANN
c)Hofmann Stand 01.06.2005