Beurteilung des Natürlichen Varroafalls bei der Primorski-Biene
Der “Natürliche Varroafall” kann erst dann in vollem Umfang bewertet werden, wenn keine “Behandlungen”, egal welcher Art, mehr durchgeführt werden.
Der Natürliche Varroafall unterscheidet sich bei der
P-Biene im Vergleich zu “Varoose”-anfälligen Bienen durch:
Eine positive Aussage über die Varroa-Fähigkeiten des untersuchten Volkes kann dann getroffen werden, wenn bei vollem Brutumfang von Juli bis September eine qualitative Inaugenscheinnahme des Gemülls durchgeführt wird. Bei gutem bis sehr gutem Sehvermögen genügt eine kurze Betrachtung von nur 1 Minute für die Beurteilung:
Werden neben einem großen Anteil weißer und nur teilweise ausgefärbter weiblicher Milben, die oft auch noch herumkrabbeln, auch schalenförmige eingetrocknete Reste von nicht entwickelten weiblichen und männlichen Milben (sehr klein und rund) entdeckt, dann ist der “Primorski”-Züchter auf der richtigen Spur.
Ameisenschutz
Neben dem Varroa-Bodengitter ist
der Schutz vor Ameisen zwingend erforderlich für die Beurteilung des “Natürlichen Milbenfalls”. Ameisen transportieren mit Vorliebe tote und lebende Milben ab. Sind bereits 2 Ameisen auf dem Boden zu sehen, dann kann keine aussagefähige Beurteilung mehr vorgenommen werden.
In den wenigsten Fällen existiert ein echter Ameisenschutz durch dichte Magazinböden. Selbst Bienenhäuser sind nicht sicher. Und welcher naturverbundene Bienenhalter will schon in seinem Bienen- haus Chemie einsetzen.
Für den Außenbereich habe ich eine kostengünstige Aufstellung entwickelt: Verzinkte Stahlständer mit integrierten Töpfen werden mit Salatöl gefüllt. Diese Sperren können Ameisen nicht überwinden. Erfahrungsgemäß haben selbst Spitzmäuse im Winter keine Chance mehr. Siehe auch unter “Neue Geräte” in dieser Homepage!
Drohnenschneiden
Drohnenschneiden ist unter allen Umständen zu vermeiden. Es ist eine sinnlose und unnütze Aktivität:
Varroabehandlung
Bei P-Hybriden wird allgemein eine einmalige Behandlung pro Jahr empfohlen. Anzustreben ist jedoch eine Varroabehandlung unter allen Umständen zu vermeiden. Erst dann kann eine natürliche Selektion erwartet werden, bzw. systematisch geprüft werden. P-Hybriden sollten auf einen eigenen Stand kommen!
Berichte über die “Elgon-Biene” z.B. besagen, daß diese zu bestimmten Zeiten “stinke” und sich so der Varroen entledige. Bei Anwendung von Ameisensäure jedoch seien
die günstigen Varroa-Eigenschaften außer Funktion gesetzt.
Auch bei der “Primorski-Biene” ist ein solches Verhalten anzunehmen, wonach Chemikalien, die in die Völker verbracht werden oder die sich dort noch befinden negativ auf das Varroa-Selbstreinigungs- verhalten und die Schwarmzellenproduktion einwirken.
Anmerkung zur Elgon-Biene: Eine Buckfast-Monticola-Kreuzung (monticola = afrikanische bergbiene), deren Varroabeständigkeit vermutlich mit der von P-Hybriden vergleichbar ist.
Naturbau
Anzustreben ist Naturbau der Brutwaben, um
Auch getrennte Honigwaben sollten selbstverständlich im Naturbau gebildet werden!
Der Wabenabstand im Brutraum sollte kleiner als 35 mm sein, weil dies der natürliche Wabenabstand ist und weil P-Bienen sowieso kleiner sind. Waben mit Kreuzklemmen haben 38 mm Abstand und sind auf Dauer nicht geeignet. Zur Zeit ändere ich alle meine Waben um, mit Hoffmann-Schenkel auf der einen Seite und 2 Stück Abstandsstifte mit 7.3 mm auf der anderen Seite, so , daß sie links wie rechts beliebig in das Magazin eingesetzt werden können. Die Verkittung der Waben wird dadurch deutlich geringer.
Inwieweit die Maßnahmen “Naturbau” zusätzliche Varroa-Effekte bringen, werde ich demnächst unter- suchen. Für die Varoose-Selektion selbst bedeutet es eine Verweichlichungstendenz und könnte eine nicht voll ausgeprägte Varroafestigkeit verschleiern.

ROMUALD HOFMANN
c)Hofmann Stand 01.06.2005